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China Visum - was gilt es zu beachten?

Seit wir in China eingereist sind, bekommen wir viele Anfragen, wie wir zu unserem China Visum gekommen sind. Deswegen wollen wir unsere Erfahrungen und Tipps weitergeben. Vielleicht erspart sich damit der eine oder andere die vielen Umwege, die wir gegangen sind, bis wir die offizielle Erlaubnis, das Land zu bereisen, in den Pässen kleben hatten. 

 

Vorweg: Wir haben ein 30 Tage Touristen Visum (L) erhalten. Alle weiteren Infos beziehen sich ebenso auf ein Visum der Kategorie L.


1. Das China Visum in Zentral Asien beantragen

Viele Überland-Reisende wollen über Kirgistan oder Kasachstan nach China einreisen. Das Problem: Momentan ist es nicht möglich, in den Zentral Asiatischen Ländern ein Visum zu beantragen (Stand Oktober 2019). Zumindest haben wir nur von Ablehnungen gehört. Wenn du die nötige Muße und Nerven hast, dann versuch es trotzdem. Never try, never know!

 

Für aktuelle Infos zur Situation in Zentral Asien empfehlen wir einen Blick auf www.caravanistan.com.

2. Wo kann ich das China Visum unterwegs sonst beantragen?

Der aktuelle Stand lautet: Teheran. Wenn du Überland von Europa nach China reist, und auch durch den Iran willst, dann ist Teheran aktuellen Berichten zu Folge die chancensicherste Variante. Aktuelle Infos gibt es hier. Der Haken an der Sache? Du hast für gewöhnlich nur 3 Monate ab Ausstellungsdatum Zeit, in China einzureisen. Uns war das viel zu knapp, bis wir an der Chinesischen Grenze angekommen wären, hätte das Visum bereits längst seine Gültigkeit verloren. Für viele Radler oder andere Overlander ist das aber machbar und daher eine gute Möglichkeit!

 

Auch Georgien/Tiflis war bis vor kurzem noch ein beliebter Standort, das China Visum zu beantragen. Mittlerweile gibt es immer mehr Berichte, dass die Botschaft in Tiflis eine Arbeitserlaubnis oder ähnliches verlangt, um überhaupt für einen Antrag qualifiziert zu sein. Aktuelle Infos gibt es in diesem Forum.

3. Was kostet ein China Visum?

Für uns eine entscheidende Frage. Weil wir wussten, dass es in anderen Ländern wesentlich günstiger wäre, eine Visum zu beantragen, haben wir alle Gedanken durchgespielt. Wir haben überlegt, ob es nicht möglich wäre, die Pässe nach Thailand zu schicken, wo das China Visum einen Bruchteil kostet. Doch das Problem gilt auch hier: Wenn du kein Staatsbürger des Landes, in dem du den Antrag stellst, bist, brauchst du mindestens eine Aufenthaltsgenehmigung oder manchmal eben auch eine Wohnsitz- oder Arbeitsbestätigung. Das macht die Sache endlos kompliziert. Was das Visum in deinem Land kostet, findest du auf den Webseiten des jeweiligen Chinese Visa Application Center. Hier der Link zur aktuellen Preisliste*.

 

*Hinweis zur Preisliste: Soweit wir das verstanden haben, würde ein 30 Tage Touristen Visum (single entry), das man in Wien persönlich im Application Center beantragt, 126 Euro kosten. Die Agentur (siehe unten) hat uns neben ihren eigenen Gebühren (96 Euro pro Visum) allerdings nur die Konsular-Gebühren von jeweils 60 Euro pro Visum verrechnet. Somit ist es "nur" um 30 Euro pro Visum teurer, wenn du es über die Agentur machen lässt. 

 

Hier unsere Kostenaufstellung für das China Visum (2 Personen):

Kostenpunkt Betrag
 DHL Versandkosten (hin-& retour)  80 €
ungefähre Druckkosten (alle Formulare und selbstfotografierte Passfotos; 2 Personen)  15 €
Konsularische Gebühren für 2x Touristen Visum (30 Tage, single entry) 120 €
Servicegebühren der Visum-Agentur für 2 Anträge 192 €
Postversand durch Agentur von Wien nach Salzburg 30 €
Gebühren für Verlängerung (2 Personen; 30 Tage Verlängerung) 41 €
GESAMT 477 €

4. Die Pässe nachhause schicken - wie läuft das ab?

Für uns letztendlich die einzige Option: unsere Pässe nach Wien zu schicken. In Österreich ist es (noch) möglich, das Visum über eine Agentur zu beantragen. Wir wollten diese Option wegen der hohen Kosten, die damit verbunden sind, vermeiden. Außerdem haben wir uns bei dem Gedanken, unsere Pässe in Tajikistan aufzugeben, nicht besonders wohl gefühlt. Zum Glück kam da die Hochzeit von Angis Bruder in Frankreich dazwischen, wo wir dann unsere fertigen Unterlagen und Pässe per Kurier nach Wien geschickt haben. Aber hier mal Schritt für Schritt:

 

  1.  Noch vor unserer Reise haben wir uns in Salzburg Zweitpässe ausstellen lassen. Eben genau für solche Situationen. Somit konnten wir ohne Probleme weiterreisen, während unsere Zweitpässe mit einem China-Sticker geschmückt wurden.
  2. Die Suche nach einer guten Agentur: Finde eine Agentur, die dir die Pässe auch wieder verlässlich zurückschickt und finde einen Ort, an dem sie auch sicher wieder ankommen. Wir haben dafür Almaty in Kasachstan gewählt, wahrscheinlich wäre Bischkek/Kirgistan auch möglich. Die Pässe haben wir per DHL an die DHL-Zentrale in Almaty senden lassen (mit der Option „pick up“ kann man die Pässe direkt im DHL Zentrum abholen und braucht keine Privatadresse als Empfänger!). Innerhalb von drei Tagen waren die Pässe da, gekostet hat es ca. 40 Euro. Sehr problemlos!
  3. Agentur: Wir haben uns für www.vhs-austria.at entschieden. Unsere Anfrage bei ww.mondial.at war mehr als lächerlich, wir bekamen völlig falsche Informationen bei einem Telefonat von einem sehr überheblichen Mitarbeiter. Mit VHS haben wir ebenso mehrmals telefoniert, um alle Fragen zu klären. Doch weil es sich um eine sehr große Agentur handelt, sind alle Vereinbarungen untergegangen. Das nächste Mal würden wir alles schriftlich per Mail noch einmal festhalten. Daraus resultierte nämlich, dass die Agentur uns die Pässe nicht nach Almaty, sondern an unseren Wohnsitz in Salzburg geschickt hat. Etwas ärgerlich. Überhaupt fanden wir die Kommunikation der Agentur etwas seltsam, weil es eigentlich keine gegeben hat. Kein Bestätigungsmail, dass unsere Pässe angekommen sind, keine Nachricht, als die Visa bereits fertig waren und die Pässe am Postweg waren. Dafür hat der ganze Prozess nur wenige Tage gedauert, das war spitze!
  4. Die notwendigen Unterlagen: Was für ein Graus! Die Chinesischen Behörden sind bekannt dafür, dass sie einen Visumsantrag ablehnen, weil dein Foto keinen weißen Hintergrund hat, weil du eine Brille trägst oder sonst irgendwie gegen die Bestimmungen verstößt. Informiere dich also pedantisch genau, was von dir verlangt wird und erfülle jede Lächerlichkeit. Es ist wichtig, sich Schritt für Schritt durch alle Voraussetzungen, Formulare, Buchungen, etc. durchzuarbeiten. Uns hat es unendlich viele Stunden gekostet, aber da muss man durch. Für stornierbare Flugbuchungen haben wir www.expedia.com genutzt (wir haben diese Anleitung genauestens befolgt!), für stornierbare Hotelbuchungen ist www.booking.com ideal. Hier lassen sich Unterkünfte mit der Option „im Hotel bezahlen“ filtern. Nachdem die Buchungsbestätigung gespeichert ist, lassen sich diese Hotels einfach wieder kostenlos stornieren.
    Tipp: Unser erfundener Reiseplan war etwas einfallslos. 30 Tage Peking. Ein Flug, ein Hotel, fertig. 
  5. Ablehnung: falls der Antrag trotz Erfüllung aller Kleinigkeiten abgelehnt wird, ist es wichtig zu wissen, dass die Kosten nicht zurückerstattet werden. Das kann weh tun. 
  6. Vor der Abgabe der Unterlagen raten wir alles noch einmal akribisch genau durchzulesen und zu kontrollieren. Stimmen alle Daten, die im Antragsformular stehen, mit den Buchungsbestätigungen überein? 

5. Verlängerung des Visums in China

Unser ursprünglich ausgestelltes Touristen Visum (Kategorie L) hatte eine Gültigkeit von 3 Monaten mit einer einmaligen Einreise von 30 Tagen. Somit sind wir zu einer einmaligen Verlängerung von weiteren 30 Tagen berechtigt. Wir haben die Verlängerung in Leshan/Sichuan gemacht. Das war sehr problemlos und hat genau so funktioniert, wie in diesem Forum beschrieben.

 

Hinweis: Nach unserer Verlängerung hatten wir plötzlich 61 Tage, anstatt der erwarteten 60 Tage im Reisepass stehen. Scheinbar startet die Berechnung der Visumszeit nicht am Tag der Einreise, sondern um 0 Uhr des Folgetages. Wenn du also am 1.10. um 13 Uhr einreist, startet die Berechnung der Tage am 2.10. um 0 Uhr. (Achtung, das ist keine offiziell bestätigte Information. Auch wir haben nur über Dritte davon gehört. Für uns ist das die logische Erklärung, warum wir 61 Tage bekommen haben. Vielleicht war es aber auch einfach nur ein Fehler der Behörde bei der Verlängerung?)

Ein Visum für China ist (in unserem Fall) eine teure Angelegenheit. Hätten wir kein China-Visum bekommen, hätten wir in den Flieger steigen müssen. Eine Alternative, von der wir nicht sonderlich überzeugt waren. Mittlerweile sind wir fast ein Monat in China und sind mit unserer Entscheidung sehr glücklich.

Wer Lust auf das etwas andere Abenteuer hat und sich nicht schnell unterkriegen lässt, der kann die Strapazen der Visums-Beantragung als Vorgeschmack einer völlig anderen Welt und unbezahlbaren Erfahrung sehen. Denn eines ist sicher: Wer nach China reist kommt mit vielen skurrilen Erinnerungen und Geschichten im Gepäck nachhause.


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