Unser Reiserad mit Pinion P1.18 Getriebe & Riemenantrieb

Erfahrungsbericht zum Tourenrad KTM Life Lontano Pinion P1.18 mit Riemenantrieb

Tourenrad Fahrrad Pinion P1.18 Getriebe Riemenantrieb

Unser Reiserad ist ein KTM Life Lontano mit dem Pinion Getriebe P1.18 und einem Riemenantrieb. Auf Radreisen sind wir damit bis jetzt 26.000km durch fast 30 Länder gefahren. In diesem Erfahrungsbericht beschreiben wir:

  • die Vor- und Nachteile eines Pinion Getriebes mit Riemenantrieb
  • welche Komponenten unseres klassischen Reiserads zu empfehlen sind 
  • welche Probleme wir mit diesem Tourenrad bereits hatten 
  • welche Änderungen wir im Laufe der Zeit gemacht haben
  • und zeigen alternative Komponenten auf!

Disclaimer: Das Fahrrad wurde uns von KTM für unsere Reisen zur Verfügung gestellt. Ebenso wurden uns einige Komponenten von ERGON, Busch & Müller und Topeak gesponsert. Keiner unserer Materialsponsoren hat Einfluss auf diesen Artikel und wir werden von niemanden für diesen Artikel bezahlt. Wir nehmen uns kein Blatt vor den Mund und erläutern alle Vor- und Nachteile, sowie wir es auf unseren Radreisen erlebt haben.

 

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Außerdem: Das Modell KTM Life Lontano P1.18 wird leider nicht mehr produziert. Wir gehen daher auf alle Komponenten genau ein, damit ihr euch mit diesen Erfahrungswerten euer eigenes Traumrad zusammenstellen könnt.


Inhalt

1.     Stahlrahmen

2.     Fahrrad Sattel

2.1.     Ergon vs. Brooks

2.2.     Sattelstütze Thudbuster

3.     Gepäcktrager

4.     Lenker & Anbauten

4.1.     Koga Denham Lenker

4.2.     Griffe

4.3.     Spiegel

4.4.     Handyhalterung

5.     Bremsen: Hydraulische Scheibenbremsen vs. Felgenbremsen

6.     Reifen

6.1.     Felgen

6.2.     Mäntel

6.3.     Schutzblech

7.     Elektrizität

7.4.     Nabendynamo

7.5.     Licht

7.6.     E-Werk

8.     Pedale: Klickpedale vs. Plattformpedale

9.     Pinion P1.18 Getriebeantrieb

9.1.     Pinion P1.18 Getriebe

9.2.     Pinion Schaltgriff

9.3.     Riemenantrieb



1. Stahlrahmen

Der Rahmen unseres Tourenrads ist aus Stahl. Obwohl Stahl sehr schwer ist, ist es vielleicht das beliebteste Material bei klassischen Reiserädern. Das liegt wohl daran, dass Stahl nicht nur als sehr robust und langlebig gilt, bei gleichzeitig gut federnden und dämpfenden Eigenschaften, sondern sich im Ernstfall leichter Schweißen lässt als zum Beispiel ein Rahmen aus Aluminium.

Das KTM Life Lontano P1.18 hat bei der hier beschriebenen Konfiguration fast 20kg. Es ist also ein richtig stabiles Schwergewicht und für die große Weltreise konzipiert. Wer kürzere Fahrradtouren oder Radreisen plant, könnte mit dem Gedanken spielen, auf einen Aluminiumrahmen zu setzen. Auch Aluminium ist ein zuverlässiges Material mit einem geringeren Eigengewicht. Im Vergleich zu Stahl ist Aluminum aber spröder und steifer und hat somit ein schlechteres Dämpfverhalten. Hier die Vor- und Nachteile eines Stahlrahmens bei Tourenräder im Überblick:

+ VORTEILE - NACHTEILE
+ leichter zu schweißen als Aluminium - Gewicht – Stahl ist schwerer als Aluminium oder Titan
+ gute Dämpfeigenschaften und federt bei Unebenheiten mit - anfällig für Korrosion 

2. Fahrrad Sattel

Die Wahl des richtigen Fahrrad Sattels kann für manche zur Lebensaufgabe werden. Die Auswahl der Modelle am Markt scheint schier unendlich ebenso wie die Probleme, die mit einem unpassenden Sattel auftauchen können. Auf der Suche nach einem passenden Modell hilft einfach nur testen, testen, testen. Jeder Popo ist einzigartig, da helfen auch oft die Erfahrungen anderer leider nichts.

2.1. Ergon vs. Brooks

Auf Fahrrad Weltreise waren wir beide mit dem klassischen Ledersattel von Brooks B17. Die ersten 2000km waren die Hölle, danach wurde er immer besser. So ganz wie „Arsch auf Eimer“ hat es sich aber nie angefühlt und wir hatten einige Probleme damit. Viele Reiseradler schwören allerdings auf den Sattel! 

Für den zweiten Start unserer Reise haben wir uns für den ERGON ST Core Evo Men bzw. Women entschieden. Und der Unterschied ist enorm! 6000km sind wir damit gefahren und haben definitiv weniger Probleme als zuvor. Wir sind vor allem gespannt was die Langlebigkeit des Sattels hergibt, ob er die vielen Temperaturunterschiede, den vielen Regen etc. standhalten wird?

2.2. Sattelstütze Cane Creek Thudbuster ST

Um unseren Rückenproblemen entgegenzuwirken, haben wir nach 19.000km unsere alte Sattelstütze mit einem Thudbuster ST von Cane Creek, also mit einer Parallelogramm Sattelstütze, ersetzt. Durch das Parallelogramm federt die Sattelstütze bei Unebenheiten und entlastet dadurch den unteren Rücken, ohne den Abstand zwischen Sattel und Pedal zu verändern. Zugegeben, wir sind seither auf nicht allzu holprigem Gelände unterwegs gewesen. Aber Rückenprobleme hatten wir während der nächsten 7.000 keine mehr! 

+ VORTEILE - NACHTEILE
+ Entlastet den Rücken - Zusätzliches Gewicht (fast 0,5kg)
+ Keine Veränderung des Abstands zwischen Sattel und Pedal - Ein weiteres Teil, dass kaputt werden kann

3. Gepäckträger

Der Marktführer unter den Gepäckträger für Reiseräder ist der Hersteller Tubus. Der hintere Gepäckträger ist ein Tubus Grand Tour, der eine Maximalbelastung von 26kg trägt. Laut Tubus wurde er sogar mit einer Belastung von bis zu 40kg getestet. Am Vorderreifen haben wir einen Tubus Duo Lowrider montiert, der mit maximal 15 kg belastet werden soll. 

Wir haben ausschließlich positive Erfahrungen mit den Gepäckträgern gemacht und hatten noch nie Probleme damit. Nur bei unserem schweren Autounfall wurde ein Teil des vorderen Gepäckträgers beschädigt. Kein Wunder, da der hat auch die Wucht eines schleudernden Minivans abbekommen.  


4. Lenker & Anbauten

4.1. Koga Denham Lenker

Während Angi einen gewöhnlichen Mountainbike Lenker am Fahrrad montiert hat, hat Reini den von Alee Denham (cyclingabout) entwickelten Lenker für sich entdeckt. Die vielen Variationen der Handposition und die aerodynamische Sitzposition, die dieser Lenker ermöglicht, haben Reini voll überzeugt! Auch das Lenkerband, mit dem der Lenker umwickelt wird, bieten eine angenehme Haptik. 

Fährt man den Lenker mit der Kombination Pinion-Schaltung und Ergon Griff, muss der Ergon Griff etwas gekürzt werden, damit diese Kombination auf dem Fahrradlenker montiert werden kann. Einmal montiert, gibt es keine weiteren Nachteile. 

4.2. Griffe

Angi fährt mit den GP5 Ergon Griffen mit großen Hörnern. Alternativ gibt es auch Griffe mit kurzen Hörnern, die für viele Reiseradler ausreichen. Angi bevorzugt die vielseitigen Varianten, die durch die großen Hörner gegeben sind. 

4.3. Spiegel

Für uns ist ein Spiegel bei Radreisen nicht mehr wegzudenken. Stark befahrene Straßen lassen sich nicht immer vermeiden und in solchen Situationen bieten sie dem Radfahrer einen besseren Überblick über heranfahrende Autos und LKWs. Wir nutzen beide den Busch & Müller Cyclestar, Reini hat aufgrund seines Denham Lenkers allerdings eine längere Spiegelstange montiert.

Fällt das Fahrrad um, was mit Gepäck nicht so selten passiert, bricht der Spiegel leider schnell ab. Deswegen haben wir immer die notwendigen Ersatzteile dabei, damit wir den Spiegel schnell wieder reparieren können!

4.4. Handyhalterung

Zum Navigieren auf Fahrradtour nutzen wir ausschließlich unser Handy. Es muss daher immer griffbereit sein, ohne es dabei in der Hand halten oder es aus irgendeiner Tasche rauskramen zu müssen. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit dem RideCase von Topeak gemacht und können es sehr empfehlen! Außerdem bietet die Handyhülle die Möglichkeit das Handy im Hoch- oder Querformat aufzustellen. Diese Funktion nutzen wir im Alltag wirklich oft!


5. Bremsen: Hydraulische Scheibenbremsen vs. Felgenbremsen

Lange Zeit waren hydraulische Scheibenbremsen bei Fahrrad Weltreisenden eher ungern gesehen und die meisten haben auf Felgenbremsen gesetzt. Das Hauptargument war (und ist vielleicht auch noch), dass man leichter Ersatzteile bekommt. Wir haben das Gefühl, dass sich hydraulische Scheibenbremsen auch bei Langezeitreisenden immer größerer Beliebtheit erfreuen. Unser Modell ist eine Shimano Deore XT BR T615 Scheibenbremse. Auch für uns ist die hydraulische Scheibenbremse die erste Wahl und das hat klare Gründe:

+ VORTEILE - NACHTEILE
+ Allgemein hohe Bremskraft - Höhere Belastung der Radnabe (bei uns sind beide Hinterrad Nabenachsen nach 19.000km gebrochen)
+ Hohe Bremskraft auch bei Nässe - Scheinbar ist es schwerer, Ersatzteile zu bekommen (den Fall hatten wir allerdings noch nicht)
+ Verdrecken nicht so schnell bei schlammigen Pisten  - Scheibe kann beim Transport (z.B. Flugzeug) beschädigt werden
+ Kein Verschleiß der Felge  
+ Hohe Zuverlässigkeit  

6. Reifen

Zu den Reifen zählen Felgen, Mäntel und die Schutzbleche. Hier haben wir im Laufe der Kilometer einiges an Erfahrung sammeln können!

6.1. Felgen

Unsere Felgen sind von KTM, die sie von Ambrosio zukaufen. Wir fahren mit 29‘‘ Zoll Reifen, wobei viele Reiseräder mit klassischen 26‘‘ Zoll Reifen ausgestattet sind. Den 29‘‘ Zoll Reifen werden ein besseres Fahrverhalten bei Hindernissen zugeschrieben, während die 26‘‘ Zoll Reifen für mehr Stabilität bekannt sind. Außerdem sind 26‘‘ Zoll Reifen weltweit die gängigere Größe und somit kommt auch hier wieder das Argument des einfachen zu organisierenden Ersatzes zu tragen. 

Probleme hatten wir interessanter weise nur mit einer Hinterradfelge. Sie hat von Anfang an Probleme gemacht, es sind insgesamt 4 Speichen gerissen und nach etwa 19.000km ist auch die Felge selbst gerissen. Die anderen 3 Felgen haben bis zu unserem Autounfall ausgezeichnet durchgehalten. 

6.2. Mäntel

Unsere Fahrradmäntel sind die Schwalbe Marathon Mondial Evolution 50-622 mit einer Breite von 50mm. Den ersten Satz konnten wir 18.000km fahren, bevor wir sie austauschen mussten. Für Fahrradmäntel ist das eine ziemlich hohe Laufleistung! Die Pannensicherheit, mit dem der Reifen beworben wird, können wir nicht ganz unterstreichen. Wir hatten bestimmt knapp 30 platte Reifen ;-) Trotzdem ist es für uns der perfekte Mantel!

Für die erste Reise, bei der wir viel auf Schotterpisten unterwegs waren, war der Schwalbe Marathon Mondial die perfekte Wahl. Für unsere Radreise ans Nordkap, bei der wir vorwiegend auf Asphalt unterwegs waren, wäre ein dünnerer Reifen mit etwas weniger Profil die wohl bessere Lösung gewesen. Wir hätten uns dank eines geringeren Rollwiderstandes bestimmt einiges an Kraft sparen können.

6.3. Schutzblech

Nach unserem Autounfall mussten wir die Schutzbleche austauschen und haben uns für SKS Bluemels Schutzbleche entschieden. Mit denen konnten wir uns bis heute nicht anfreunden, sie lassen sich nicht gut einstellen und schleifen ständig am Reifen. Leider keine Empfehlung.


7. Elektrizität

Strom mit dem Fahrrad zu erzeugen ist in erster Linie für das Licht wichtig. Es lassen sich aber auch elektrische Geräte damit laden.

7.1. Nabendynamo

Wir haben einen SON 28 Nabendynamo und sind äußerst zufrieden damit. Zuvor hatten wir einen Dynamo von Shutter Precision (SP-PD8), womit wir immer wieder Probleme hatten. 

Den Dynamo braucht man in erster Linie, um eine dauerhafte Beleuchtung am Fahrrad zu haben. Wer darauf verzichten möchte, erspart sich einiges an Gewicht! Unser SON Nabendynamo wiegt immerhin stolze 440g. Für mehrmonatige Fahrradtouren würden wir allerdings nicht auf einen Nabendynamo verzichten wollen, trägt er doch wesentlich zur Verkehrssicherheit bei.

7.2. Licht

Der SON Nabendynamo versorgt den Scheinwerfer mit Strom. Das Licht ist das Modell Lumotec IQ-X von Busch & Müller. Die Leuchtkraft dieses Scheinwerfers ist ausgezeichnet, die Straße wird sehr gut ausgeleuchtet und herankommende Autos sehen uns bereits von Weitem. Fährt man allerdings langsam den Berg hinauf, wird der Scheinwerfer nicht mehr ausreichend mit Strom versorgt und das Licht beginnt zu flackern. Ein im Licht eingebauter Pufferakku könnte dieses Problem beheben.

7.3. E-Werk

Das E-Werk von Busch & Müller ermöglicht es, die gewonnene Energie des Nabendynamos umzuwandeln und damit eine Powerbank zu laden. Nach unseren Erfahrungen schafft das E-Werk bei 6-7 Stunden Fahrtzeit eine Ladeleistung von etwa 1500mAh. Das entspricht ca. einer halben bis dreiviertel Handyladung. Dabei kommt es natürlich stark darauf an, auf welchem Terrain man Fahrrad fährt. Bei einer Bergetappe ist die Ladeleistung des E-Werks verschwindend gering. Fährt man hingegen über den Tag hinweg durchschnittlich 15-20 km/h, lädt es relativ gut. 

Wir finden das E-Werk ok und nutzen es auch immer wieder gerne. Allerdings sehen wir es absolut nicht als essentiellen Ausrüstungsgegenstand für jegliche Art von Radreise.


8. Pedale: Klickpedale vs Plattformpedale

Auch wir sind mit Plattformpedale gestartet, haben uns aber nach nur wenigen Wochen für eine Kombination aus Klick- und Plattformpedalen entschieden. Angi hat schon in Griechenland Probleme mit einem Knie bekommen und mit dem Wechsel zu Klickpedalen sind auch die Knieprobleme verschwunden. Unsere Pedale sind Shimano Deore XT PD-T80000 Klickpedale. Sie haben eine Plattformseite mit griffigen Pins und eine Seite mit Klicks. Sie eignen sich aus unserer Sicht ideal für Trekking-Bikes und Tourenräder, weil sie die Vorteile von Plattformpedalen und Klickpedalen vereinen! Fährt man Abends in Flipflops noch schnell zum nächsten Supermarkt, freut man sich über die Plattformseite.

+ VORTEILE - NACHTEILE
+ Bessere Kraftübertragung, besonders bergauf - Man braucht kompatible Schuhe
+ Die Auslöserhärte der Klicks lässt sich je nach Wunsch und Erfahrung sehr weich oder sehr fest einstellen - Die Gefahr, dass man sich nicht rechtzeitig lösen kann und samt Fahrrad umfällt 
+ Runder Tritt besser möglich  - Aus der Kombination von Klick- und Plattformpedale resultiert ein höheres Gewicht als bei reinen Klickpedalen
+ Vereinen Vorteile von Klick- und Plattformpedalen  

9. Pinion P1.18 Getriebeantrieb

Last but not Least – Das Pinion Getriebe P1.18 mit Riemenantrieb!

9.1. Pinion Getriebe P1.18

Unser Reiserad ist mit einem P1.18 Pinion Getriebe ausgestattet. Das Getriebe verfügt über 18 echte Gänge, die äußerst fein abgestimmt sind. Die Gesamtübersetzung der Pinion beträgt 636% (Unsere Übersetzung: 32/32). Weniger technisch ausgedrückt heißt das, dass man selbst den steilsten Berg mit voll beladenem Rad im kleinsten Gang hinaufkommt. Gleichzeitig kann man bei einer Abfahrt im 18. Gang noch so richtig Gas geben! Ist man einmal in den Genuss dieser Übersetzungsbandbreite gekommen, möchte man nicht mehr darauf verzichten.

Ein weiterer Vorteil des Pinion Getriebe ist der geringe Wartungsaufwand. Der Hersteller empfiehlt einen Ölwechsel alle 10.000km oder einmal im Jahr. Der Ölswechsel ansich ist technisch sehr einfach und unkompliziert durchzuführen. Mehr ist nicht zu tun.

 

Ein weiterer Pluspunkt und großer Komfort ist die Möglichkeit, im Stehen den Gang zu wechseln. Fährt man eine steile Straße bergauf und steigt ab, wird das Weiterfahren durch die Anpassung des Ganges zum Kinderspiel! Besondern auf Radreisen, wenn das Fahrrad schwer beladen ist, eine mehr als willkommene Funktion!

 

Kein Vorteil ohne Nachteil. Die gesamte Schaltgruppe der P1.18 wiegt stolze 3,7kg (hier sind neben dem Getriebe alle Anbauten wie Drehgriff, Schaltkabel, Riemenscheiben, der Riemen und die Radnabe mit einberechnet!). Das etwas kleinere Modell von Pinion C1.12 mit 12 echten Gänge wiegt 3,3kg und im Vergleich dazu wiegt eine herkömmliche Shimano SLX Schaltgruppe nur mehr 2,6kg. Wichtig ist hier zu berücksichtigen, dass die Pinion Getriebeschaltung im Zentrum des Fahrrads verbaut ist. Dadurch ergibt sich ein wesentlich besseres Fahrverhalten, als bei Nabenschaltungen, deren Gewicht im Hinterrad lastet. 

 

Ein weiterer, oft erwähnter Nachteil bei einem Pinion Getriebe ¬– man kann das Getriebe nicht selbst reparieren. Wird beim Getriebe etwas kaputt, kann nur noch Pinion helfen. Man muss das Getriebe zu Pinion nach Deutschland schicken und kann auf keinen Fall selbst Hand anlegen. Wir hatten den Fall, dass ein Getriebe Öl verloren hat. Pinion hat uns sofort versichert, dass immer genügen Restschmiere im Getriebe vorhanden bleibt, sodass nichts kaputt werden kann. Wir haben das Pinion Getriebe dann eingeschickt, Pinion hat innerhalb weniger Tage ein Service gemacht und neues Öl reingefüllt. Seither haben wir keinen Ölverlust mehr gehabt!

 

Das Pinion Getriebe läuft unter normalen Umständen geräusch- und reibungslos. Es ist ein wahrer Genuss, wie geschmeidig und rund es läuft. Doch ab und zu kommt es vor, dass kurz nach dem Schaltvorgang ein lautes Geräusch zu hören ist. Außer einem kurzen Schreck löst dieser Vorgang laut Hersteller aber nicht aus:

 

„Ein sporadisches Durchrutschen in den nächsten Zahneingriff kann vorkommen. Das Getriebe rastet aber sicher im nächsten Zahn ein. Die Festigkeit und Haltbarkeit des Getriebes wird dadurch nicht gefährdet.“ Pinion GmbH 

 

An dieser Stelle muss noch der Preis erwähnt werden! Es ist und bleibt eine High-End Getriebeschaltung, die eben ihren Preis hat. Der UVP von Pinion beträgt 1500 Euro für das gesamte Getriebeset. Und dazu muss man auch erwähnen, dass nicht nur das Getriebe eine hohe Investition ist, sondern auch im weiteren Verlauf spezielle Ersatzteile (wie z.B. Kurbeln, Drehgriff, Getrieberolle, Verschlussring Werkzeug) notwendig werden, wo man nicht auf billige Drittanbieter zurückgreifen kann. Für das Modell P1.18 gibt es immerhin eine 5-jährige Garantie, die sich auch beim Weiterkauf überträgt (Getriebebezogene Garantie). 

 

Der Hersteller wirbt mit Slogans wie „Garantiert zuverlässig. Praktisch wartungsfrei.“ Auch wir haben das Pinion Getriebe als absolut zuverlässig und fast wartungsfrei erlebt. Egal ob bei Sandstürmen, Flussdurchquerungen, Schlammpisten oder auf Wellblechpisten – das Getriebe hat uns nie im Stich gelassen. Es ist eben ein kleines Wunderwerk der Technik! Und eine 100%ige Garantie hat man eben für nichts im Leben.

+ VORTEILE - NACHTEILE
+ Sehr Wartungsarm - Nicht selbst reparierbar
+ Sehr zuverlässig - Hohes Gewicht
+ Enorme Übersetzungsbandbreite  - Bei Schäden auf Pinion Service angewiesen
+ Schalten im Stehen möglich  - Hoher Preis und teure Ersatzteile 
+ Gewicht liegt im Zentrum des Fahrrads  - Spezieller Fahrradrahmen notwendig
Pinion P1.18 Getriebeschaltung Reiserad Test

9.2. Pinion Schaltgriff

Um zwischen den Gängen zu schalten braucht man einen Pinion Schaltgriff. Für Dropbar Fahrer gibt es von Drittanbieter bereits Lösungsangebote mit einem Shifter, die sind allerdings nur mit die C-Linie von Pinion kompatibel. 

Unter normalen Bedingungen ist der Schaltgriff leichtgängig und die Gänge rasten schön ein. Nur bei extremer Kälte, und da sprechen wir von -20 Grad, wird der Schaltvorgang etwas schwerfälliger. 

Der Drehgriff ist ein Verschleißteil und wir mussten nach ca. 16.000km einen neuen Griff montieren. Die Oberfläche des alten Modells DS1 wurde mit er Zeit immer glatter und wenn es richtig viel geregnet hat oder die Hände schweißgebadet waren, konnte man kaum noch schalten. Mit dem neuen Griff DS2 sind wir seit 10.000km unterwegs und haben noch keinerlei solcher Probleme gehabt (auch nicht im Skandinavischen Dauerregen). 

9.3. Riemenantrieb

Unser Reiserad wird mit einem Gates Carbon Drive Riemen angetrieben, der die zwei Gates Carbon Drive Riemenscheiben mit einer 1:1 Übersetzung (32:32) verbindet. Ein Riemenatrieb hat den klaren Vorteil des geringen Verschleißes. Kommt man mit einer Kette bei Nabenschaltungen bis zu 10.000km, fahren wir mit dem ersten Riemen bereits seit 26.000km. Darüber hinaus ist er äußerst wartungsarm – kein Öl, dafür ein bisschen Wasser und im besten Fall eine kleine (Zahn-) Bürste, schon ist der Riemen wie neu. Für den Ernstfall haben wir immer einen Ersatzriemen dabei, der sich dank des sehr geringen Gewichts und einer einfachen Wickeltechnik platzsparend im Gepäck verstauen lässt.

Der Nachteil eines Riemenantriebs am Reiserad ist, dass er einen speziellen Rahmen erfordert. Der Fahrradrahmen muss mit einem Rahmenschloss oder einem Rahmenendel versehen sein, damit man den Rahmen öffnen und den Riemen einfädeln kann. Bei einer Kette hingegen lassen sich die einzelnen Kettenglieder zum Montieren der Kette einfach öffnen und wieder verschließen. Auch das Problem des Ersatzteils taucht hier wieder auf, denn einen Riemen bekommt man wahrlich nicht in allen Ecken dieser Welt. Doch, wie bereits erläutert, ist ein Ersatzriemen handlich und einfach mitzunehmen. 


Mit dieser Aufstellung der einzelnen Komponenten unserer Reiseräder mit Pinion Getriebe hoffen wir euch bei der Konfiguration eures eigenen Reiserads oder Tourenrad weiterzuhelfen! Mit welchen Fahrrädern seid ihr eigentlich unterwegs? Habt ihr auch Beispiele für positive und negative Erfahrungen mit einzelnen Komponenten? Diskutiert gerne mit uns in den Kommentaren!


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Kommentare: 2
  • #2

    Angi & Reini (Sonntag, 27 Februar 2022 22:05)

    Hallo Roger!
    Vielen Dank für deinen Kommentar. Wir würden sagen der größte Vorteil einer Pinion oder einer Rohloff ist einfach der geringe Wartungsaufwand. Wir sind oft mit anderen Radreisenden unterwegs gewesen und die musste alle ständig ihre Schaltung pflegen. Aber, wie auch im Video erwähnt, braucht man kein so high end Fahrrad aber es ist auch fein eines zu haben �
    Vielen Dank und liebe Grüße

  • #1

    Roger (Samstag, 26 Februar 2022 22:29)

    Servus Angi & Reini: Super, eure Berichte und Videos!
    Pinion oder Rohloff sind zweifelsohne exzellente Wahlen in Sachen Schaltungen. Teuer, aber gut.
    Hier ein paar Teile, die gut & günstig sind: Alles, was in Sachen Felgen, Speichen und Reifen ein gewisses Gewicht und Dicke hat, hält. Günstige Shimano-Kettenschaltungen, z.B. Alivio, sind gut. Geht man auf 7- oder 8-fach, halten die Ketten lange. Antriebe mit möglichst vielen Stahlteilen sind langlebig. Shimano-Shifters sind gut, man kann aber auch auf Grip-Shift gehen, die machen es auch lange. Es passen preislich viele SHIMANO-Antriebe in 1 x Pinion oder Rohloff mit Gates. Und es ist auch bei Shimano nicht so, dass man ständig etwas wechseln muss. Fährt man allerdings ständig im Dreck, Sand, Matsch usw., sind Pinion und Rohloff dafür einfach von Grund auf besser geeignet.
    Letztendlich holt man aus einem Qualitäts-Fahrrad neu ab € 1'000,- oder 4'000,- viele Kilometer raus. Die Anschaffung lohnt sich in jedem Falle. Allzeit gute Fahrt!

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