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#16 Usbekistan - das Land der Seidenstraßen-Romantik


Auf einen Blick:

  • 22. Mai 2019 (Tag 311) - 02. Juni 2019 (Tag 323)
  • 270 Euro ausgegeben (2 Personen)
  • 100km geradelt
  • Seit Salzburg 11.168 km geradelt


30 Kilometer hinter der turkmenischen Grenze sitzen wir nun mitten in der Steppe in unserem Zelt. Wir haben kaum noch was zu essen, aber mit dem übrigen Reis und mit trockenem Brot kommen wir schon bis morgen Mittag durch. Das nächste Dorf ist nicht mehr weit und von dort wollen wir den Zug nach Bukhara nehmen. 

„Money! Change Money!“ Kaum rollen wir in dem kleinen Grenzdorf Alat ein, werden wir von Geldwechslern umzingelt. Nachdem wir nach harten Verhandlungen ein paar Scheine des Usbekischen Som in den Händen halten, fragen wir die Männer nach der Zugstation. Wir ernten fragende Blicke. „Bukhara!“, drücken wir unsere Frage noch einmal vereinfacht aus. Ah, jetzt leuchten ihre Augen. „Taxi, Taxi! 40 Dollar!“ 40 Dollar? 

 

Nein, nein, das kann nicht sein. Ist Usbekistan so teuer oder wollen sie uns über den Tisch ziehen? Die Frage stellen wir uns zu Beginn eines jeden neuen Landes. Anfangs hat man noch kein Gefühl, welche Preise für das jeweilige Land angemessen sind. Es gibt Länder, in denen alles günstig ist, wie zum Beispiel im Iran. Aber dann gibt es Länder, in denen fast alles sehr günstig ist, während andere Dinge horrende und unverhältnismäßige Preise haben. So zum Beispiel im Oman: Dort kann man für einen Euro das beste indische Curry essen und müsste für die Übernachtung dann 25 Euro zahlen. Mit dem Bus fährt man wiederum 1000 Kilometer für lächerliche 8 Euro. Aber wie ist das hier in Usbekistan? 

 

Wir haben keine Ahnung, beschließen aber, dass wir auf keinen Fall 40 Dollar für eine Taxifahrt ausgeben wollen. Wieso wird hier eigentlich mit US Dollar und nicht mit Usbekischen Som verhandelt, fragen wir uns. Wir sind etwas verwirrt.  „Zug! Bukhara!“, fragen wir noch einmal etwas energischer nach. Nein, Zug gibt es hier keinen. Der alte Bahnhof ist längst nicht mehr in Betrieb. Mittlerweile sind mindestens 10 Menschen in die Diskussion involviert und nach langem Gestikulieren stellt sich heraus, dass ein Bus nach Bukhara fährt. Stunden später sitzen wir in einem kleinen Bus, blockieren mindestens 8 Sitzplätze mit unseren Rädern und fahren mit lauter Musik gen Nordosten. Mit dem Fahrer haben wir uns auf 10 Dollar geeinigt. Auch er hat kein Interesse an Usbekischen Som gezeigt.

Warum wir eigentlich mit dem Bus fahren? Die Beine sind müde und wir stehen unter Zeitdruck. Der Iran und die 5 Tage in Turkmenistan sind sehr kräftezerrend gewesen. Und wir haben nur mehr 10 Tage Zeit, bis wir in Tajikistan einreisen sollten. Dort beginnt der Pamir Highway. Und weil das unsere größte Herausforderung wird, wollen wir mit vollen Kräften an das Mammutprojekt Tajikistan herangehen. Usbekistan in 10 Tagen zu durchradeln wäre wahrscheinlich möglich, aber nicht, wenn Kopf und Beine nach einer Pause schreien. Aber warum haben wir nur noch 10 Tage Zeit, um in Tajikistan einzureisen? Tja, ganz einfach: Wir haben einen Flug gebucht! Von Kirgistan nach FRANKREICH! Mein Bruder heiratet!! Ein Pflichttermin, auf den wir uns seit unserer Abreise freuen. Da wäre es schon gut, pünktlich zu sein.

 

In Bukhara angekommen, versucht uns der Busfahrer doch noch 20 Dollar abzuknöpfen. Nach kurzer Diskussion verliert er allerdings das Interesse an uns und zischt ab. Wir stehen mitten am Marktplatz von Bukhara. Die Hotelpreise auf den Buchungsplattformen sind so hoch, dass wir noch keine Unterkunft reserviert haben. Wir steigen auf unsere Räder und fahren ein Hotel nach dem anderen ab. Eines schicker als das andere und dem entsprechend verhält es sich auch mit den Preisen. Unter 40 Dollar pro Zimmer finden wir nichts. Der Verzweiflung nahe, schieben wir unsere Räder immer noch durch die engen Gassen Bukharas. Plötzlich steigt uns der Geruch von frischem Brot in die Nase. Wir bleiben stehen und suchen vergebens nach einer Bäckerei. „Otkuda?“, ruft uns ein alter Mann entgegen. Wir erzählen ihm woher wir kommen und dass wir mit dem Rad unterwegs sind. Seine Augen werden immer größer und er stoppt die nächsten drei Passanten, um ihnen zu erzählen, dass wir mit dem Rad reisen! Natürlich weiß er auch genau, woher der gute Brotduft kommt und schon finden wir uns in einer traditionellen usbekischen Bäckerei wieder. Ob er auch weiß, fragen wir ihn, wo wir hier übernachten können? Er zeigt uns den Weg zu einem Hotel. Der Manager öffnet die Türe und erkennt sofort, dass wir nicht die richtige Zielgruppe für seine 100 Dollar Zimmer sind. Er nimmt uns zur Seite und flüstert uns ins Ohr: „Ihr müsst verstehen, dass ich euch die Zimmer nicht um 20 Dollar geben kann, wenn alle anderen 100 zahlen.“ Und dann beginnt er auch schon zu telefonieren. Es dauert keine 30 Minuten, winkt er uns schon wieder zu sich. Eine befreundete Familie vermiete ein Zimmer, wir müssten uns nur Bad und Küche teilen. Perfekt!

In dieser Woche treffen wir den netten Herrn neben der Bäckerei und den Hotelmanager fast täglich, holen uns frisches Brot und plaudern mit russischen Wortfetzen mit den Nachbarn. Nur die Familie, bei der wir untergekommen sind, ist nicht so gesprächig. Außer ihre kleine Tochter Schachna – die will uns am liebsten gar nicht mehr alleine lassen! 

 

Der Hotelmanager ruft uns täglich an, um sicher zu gehen, dass alles passt. Er gibt uns sogar Konzertkarten für das Stadion! Denn ohne es zu wissen, sind wir pünktlich zum größten Festival Bukharas gekommen. Das Silk & Spice Festival. Aus ganz Zentralasien kommen Händler und Künstler mit ihren Spezialitäten und Kunsthandwerken zusammen, um ihre Kultur zu repräsentieren und ihre Ware zu verkaufen. Neben Modenschauen gibt es Darbietungen von Chören, Tanzvereinen, Kampfsportlern und Orchestern. Und der Höhepunkt ist das Konzert im Stadion. Tausende Jugendliche in Kostümen zeigen eine Choreographie, als würden sie die Olympischen Spiele eröffnen. Wir sitzen in den Rängen und halten uns die meiste Zeit die Ohren zu. Die katastrophale Soundanlage schmerzt im Ohr. Von den fast 20.000 Besuchern scheint das aber außer zwei spießigen Europäern niemanden zu stören. Ganz im Gegenteil. Die Stimmung ist wild und ausgelassen und als die zwei Superstars der usbekischen Popmusik die Bühne betreten und sich mit einer grauenvollen Karaoke-Darbietung in Szene setzen, ist das Publikum endgültig angeheizt. Große, laute usbekische Party und wir mittendrin – 

gigantisch!

Nachdem das Festival vorbei ist, verwandelt sich Bukhara in eine idyllische Oase der Ruhe voller Charme und orientalischem Flair. Die Altstadt zählt zum UNESCO Weltkulturerbe. Wenn man durch die engen Gassen schlendert und an den großen weiten Plätzen zwischen Moscheen und Medresen verweilt, dann wird mit etwas Phantasie die Geschäftigkeit der reisenden Händler im Mittelalter lebendig. Damals wurde Bukhara neben Samarkand zum wichtigsten Handelszentrum entlang der Seidenstraße und bis heute sind viele Bauwerke aus dieser Zeit intakt. 

 

Nach 7 Tagen in Bukhara verabschieden wir uns von Schachna und ihrer Familie und vom Hotelmanager. Für uns geht es mit dem Zug weiter nach Samarkand. Dort trennen uns nur mehr 50 Kilometer zur tajikischen Grenze. 

 

Um einen Eindruck von Bukhara und Samarkand zu bekommen, empfehlen wir unser Video ­– da gibt´s ein bisschen usbekische Seidenstraßen-Romantik!


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Kommentare: 1
  • #1

    Viktoria (Sonntag, 10 Mai 2020 11:46)

    Wie immer interessant und unglaublich schön.
    Liebe Grüße
    Viktoria