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Realtitätscrash

Für die Idee, mit dem Fahrrad bis nach Neuseeland zu fahren, waren wir schnell Feuer und Flamme. Vielleicht etwas zu schnell. Denn die eigene Phantasie ist ein Hund! Beim Gedanken an so eine Reise entstehen sofort Bilder im Kopf, die nicht zwingend der Realität entsprechen. Gedoped von Instagram & Co stellen wir uns vor, wie wir locker und leicht durch märchenhafte Landschaften rollen, immer leicht bergab, so dass es kaum einer Anstrengung bedarf. Dabei wehen Angis frisch gewaschene, duftende Haare im Fahrtwind und die Sonne scheint auf Reinis perfekt trainierten, braun gebrannten, nackten Oberkörper... PENG! Die Seifenblase ist schneller geplatzt als uns lieb war.

 

Mittlerweile setzen wir uns seit mindestens 8 Monaten mit der Reise auseinander, tauschen uns mit anderen Radreisenden aus, lesen Bücher und informieren uns über Ausrüstung, Versicherungen und Visa. Das ist übrigens die einfachste Art, allmählich das romantische Kopfkino mit der Realität zu ersetzen. Heute denken wir zu glauben, uns am Boden der Tatsachen hingesetzt zu haben. Mit etwas Superkleber zwischen Boden und Hinterteil.

Die Realität in Bildern. (Leider gibt es kein einziges Foto passend zu unserem Kopfkino...)

Ähnliche Konfrontationserlebnisse mit der Realität hatten wir bei der Planung der Route. Denn wenn man in Google Maps den Maßstab groß genug setzt, kann man es sich selbst wunderbar beweisen: die Strecke ist ein lächerlicher Katzensprung! Von der einen Bildschirmseite zu der Anderen – da sind wir ja in Nullkommanix dort!

Unsere Trommelfelle sind kurz vorm Zerbersten – PENG! PENG! PENG!

 

Dieses schöngeträumte „Nullkommanix“ hat sich mittlerweile in 20 Monate, 26 Länder und 28.000 Kilometer ausgedehnt. Da mussten wir selbst erst mal schlucken. Woran wir gar nicht erst denken dürfen, sind die von Google Maps ausgerechneten Höhenmeter, die uns auf der geplanten Route bevorstehen. Wir haben sie auch sofort wieder vergessen, die sechsstellige Zahl hat Magensausen verursacht. Besser nicht daran denken.

 

Auch wenn der erste Schock tief gesessen hat: im Grunde genommen finden wir, es gibt Schlimmeres, als eine 20-monatige Reise vor sich haben zu dürfen. Und trotz „Realitätsbodenkleberei“ sind wir uns immer noch sicher, dass die harten Zeiten mit grandiosen Erlebnissen belohnt werden. So viel romantisches Kopfkino haben wir uns gewahrt J

 

 Reini & Angi

 

 

 

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